Wo die Inschrift sitzt

Die Rundiste (englisch girdle) ist der schmale Rand, an dem Krone (oben) und Pavillon (unten) eines geschliffenen Diamanten zusammentreffen. Sie ist in der Fassung meist von Krappen oder einer Zarge teilweise verdeckt und beim Betrachten von oben nicht sichtbar – der ideale Ort für eine Markierung, die den Stein nicht beeinträchtigt.

Was eingraviert wird

In den meisten Fällen die Reportnummer des Labors, oft mit dem Laborkürzel davor: „GIA 2233908899". Auf Wunsch gravieren Labore und Juweliere auch Markennamen, Logos oder persönliche Texte. Die Gravur erfolgt mit einem Laser, der eine hauchdünne Schicht abträgt; sie ist nur wenige Mikrometer tief und mit blossem Auge nicht zu erkennen.

Die GIA versieht die meisten der von ihr bewerteten Diamanten mit einer Inschrift; sie steht dann auf dem Report in der Zeile „Inscription(s)". IGI graviert ebenfalls üblicherweise; bei HRD Antwerp ist die Inschrift eine Option. Ein Stein ohne Inschrift ist deshalb nicht verdächtig – aber Stein und Report lassen sich dann nur über Masse, Gewicht und die Einschluss-Zeichnung abgleichen.

Wie man sie liest

Mit einer Juwelierlupe (10-fach) bei gutem Licht, den Stein so halten, dass die Rundiste von der Seite sichtbar ist, und langsam drehen. Die Inschrift ist klein und braucht beim ersten Mal etwas Geduld; ein Juwelier oder Gemmologe findet sie mit dem Mikroskop in Sekunden. Bei gefassten Steinen kann sie unter einer Krappe liegen – dann hilft nur Drehen oder Ausfassen.

Was die Inschrift beweist

Sie belegt, dass dieser Stein derjenige ist, den das Labor unter dieser Nummer bewertet hat – vorausgesetzt, die Nummer stimmt mit dem Online-Eintrag des Labors überein. Ein Papierreport lässt sich kopieren oder einem anderen Stein beilegen; die Gravur im Diamanten nicht ohne Spuren. Deshalb gehört zu jeder Prüfung: Nummer online aufrufen (GIA Report Check, IGI Verify, HRD Antwerp), Inschrift lesen, Masse vergleichen.

Was sie nicht beweist

Eine Inschrift sagt nichts über Qualität oder Herkunft aus; das tun Report und Herkunftsdokumentation. Theoretisch lässt sich eine Inschrift abschleifen (der Stein verliert dann Gewicht und müsste neu bewertet werden) oder eine falsche Nummer nachträglich gravieren – weshalb der Abgleich mit der Online-Datenbank und den Massen unverzichtbar bleibt. Eine Inschrift allein, ohne Prüfung beim Labor, ist nur eine Zahl auf dem Stein.

Technik und Geschichte

Laser-Inschriften auf Diamanten gibt es seit den 1980er-Jahren; die GIA bietet sie seit Ende der 1990er-Jahre im Rahmen der Bewertung an. Verwendet werden Laser mit sehr kurzen Pulsen, die auf der Rundiste eine Schicht von wenigen Mikrometern abtragen, ohne den Stein zu erwärmen oder zu schwächen. Die Zeichen sind typischerweise 0,1 bis 0,2 Millimeter hoch. Das Gewicht des Steins ändert sich durch die Inschrift nicht messbar; auf die Reinheitsstufe hat sie keinen Einfluss, weil Inschriften von der Reinheitsbewertung ausgenommen sind und im Report gesondert als Inscription geführt werden.

Eine Inschrift nachträglich anfertigen lassen

Wer einen Stein ohne Inschrift besitzt, kann sie bei einem Labor oder einem darauf spezialisierten Juwelier anfertigen lassen – mit der Reportnummer oder einem persönlichen Text. Labore gravieren die Reportnummer in der Regel nur im Zusammenhang mit einer Bewertung, damit Nummer und Stein nachweislich zusammengehören. Bei gefassten Steinen muss der Stein meist ausgefasst werden, damit die Rundiste erreichbar ist.

Checkliste: Inschrift prüfen

  1. Reportnummer auf der Steinseite oder dem Report notieren.
  2. Nummer online beim Labor aufrufen (GIA Report Check, IGI Verify, HRD Antwerp) und Daten vergleichen.
  3. Auf dem Report nachsehen, ob eine Inschrift genannt ist und welche.
  4. Mit 10-fach-Lupe oder Mikroskop die Rundiste absuchen und die Inschrift mit dem Report vergleichen.
  5. Masse mit einer Schieblehre oder beim Juwelier nachmessen.
  6. Bei Abweichungen: Händler fragen, vor Ablauf der Widerrufsfrist entscheiden.

Andere Arten von Inschriften

Neben der Reportnummer kommen weitere Gravuren vor. Hersteller von Markenschliffen gravieren ihr Logo oder einen Markennamen, manche Produzenten eine Seriennummer ihres Herkunftsprogramms, mit der sich der Stein bis zur Mine zurückverfolgen lässt. Juweliere bieten persönliche Inschriften an – Initialen, ein Datum. Alle diese Gravuren stehen, wenn sie zum Zeitpunkt der Bewertung vorhanden waren, auf dem Report unter Inscription; später angebrachte nicht. Eine Inschrift, die der Report nicht nennt, ist also nicht automatisch ein Problem, sollte aber erklärbar sein. Umgekehrt gilt: Eine Markeninschrift ersetzt keine Reportnummer, weil sie nicht in einer öffentlich prüfbaren Datenbank hinterlegt ist.

Inschrift und Report in unserem Shop

Auf unseren Steinseiten steht die Reportnummer neben dem Laborkürzel und ist mit dem Prüfdienst des Labors verlinkt. Ob der Stein eine Inschrift trägt, steht auf dem Originalreport, der jeder Lieferung beiliegt. Nach Erhalt können Sie die Inschrift selbst lesen oder bei einem Juwelier lesen lassen – innerhalb der gesetzlichen Widerrufsfrist für Verbraucher in der EU.