Brillantschliff und Treppenschliff

Alle Schliffe gehören zu einer von zwei Familien. Brillantschliffe haben dreieckige und drachenförmige Facetten, die um die Tafel herum angeordnet sind und das Licht in viele kleine Blitze zerlegen: Brillant, Oval, Tropfen, Marquise, Herz, Prinzess, Radiant und die meisten Kissen. Treppenschliffe haben lange, parallele Facetten in Stufen, die breite Lichtflächen zeigen: Smaragd und Asscher. Treppenschliffe verdecken Einschlüsse und Farbe weniger und verlangen deshalb höhere Reinheit.

Die sieben Schliffe

SchliffReport-BezeichnungFacettenLängen-Breiten-VerhältnisBesonderheit
BrillantRound Brilliant57–581,00Einziger Schliff mit GIA-Schliffnote
OvalOval Brilliant56–581,30–1,50Wirkt grösser als ein Brillant gleichen Gewichts
SmaragdEmerald Cut57 (variabel)1,30–1,50Treppenschliff, Reinheit besonders wichtig
KissenCushion (Modified) Brilliant58–641,00–1,10 (quadratisch)Zwei Facettenvarianten, hält Farbe
PrinzessSquare Modified Brilliant50–581,00–1,05Spitze Ecken, viel Gewicht in der Tiefe
TropfenPear Brilliant56–581,45–1,75Eine Spitze, Bow-Tie möglich
MarquiseMarquise Brilliant56–581,75–2,25Zwei Spitzen, grösste Fläche pro Karat

Brillant

Der runde Brillant ist der am genauesten erforschte Schliff. Für ihn existieren Idealproportionen (Tolkowsky 1919) und eine Schliffnote der GIA von Excellent bis Poor. Wer das stärkste Funkeln sucht, beginnt hier. Sein Nachteil: Beim Schleifen geht vom Rohstein am meisten Material verloren.

Oval

Ein gestreckter Brillant mit demselben Facettenprinzip. Die Form wirkt am Finger länger und bei gleichem Gewicht grösser. Zu beachten ist der Bow-Tie, ein dunkles Band quer über die Mitte, das bei länglichen Schliffen auftreten kann und auf keinem Report steht – man sieht ihn nur am Stein.

Smaragd

Der klassische Treppenschliff mit abgeschrägten Ecken. Statt Funkeln zeigt er breite Lichtflächen, den „Hall-of-Mirrors"-Effekt. Die grosse Tafel wirkt wie ein Fenster: Einschlüsse und Farbtöne sind sichtbarer als bei Brillantschliffen, weshalb Reinheitsgrade ab VS1 und Farben ab G–H empfehlenswert sind.

Kissen

Quadratisch oder rechteckig mit abgerundeten Ecken, die Form des historischen Old Mine Cut. Auf dem Report wird zwischen „Cushion Brilliant" (grosse Pavillonfacetten, breite Lichtflächen) und „Cushion Modified Brilliant" (zusätzliche Facettenreihe, feines Funkeln, „Crushed Ice") unterschieden. Kissen halten Farbe etwas stärker als Brillanten und werden deshalb oft für Fancy-Farben gewählt.

Prinzess

Quadratischer Brillantschliff mit spitzen Ecken; auf dem Report „Square Modified Brilliant". Er behält vom Rohstein viel Gewicht, trägt aber einen Teil davon in der Tiefe. Die spitzen Ecken sind empfindlich und werden in der Fassung durch Krappen geschützt.

Tropfen

Eine runde Seite, eine Spitze. Übliche Verhältnisse 1,45–1,75; die Symmetrie – Spitze auf der Mittelachse, gleichmässige Schultern – ist hier wichtiger als bei runden Steinen. Die Spitze wird in der Fassung geschützt; der Bow-Tie ist fast immer vorhanden und unterschiedlich stark.

Marquise

Zwei Spitzen, auch Navette genannt. Keine Form zeigt pro Karat mehr Fläche. Die beiden Hälften müssen spiegelgleich sein; beide Spitzen gehören geschützt. Der Bow-Tie tritt häufiger auf als beim Tropfen.

Bow-Tie, Fenster und andere Lichtphänomene

Einige Erscheinungen stehen auf keinem Report und sind nur am Stein zu beurteilen. Der Bow-Tie ist ein dunkles Band quer über die Mitte länglicher Brillantschliffe (Oval, Tropfen, Marquise), das entsteht, weil die Pavillonfacetten in der Mitte Licht nicht zum Betrachter zurückwerfen; schwach ausgeprägt ist er normal, stark ausgeprägt stört er. Ein Fenster zeigt sich bei zu flach geschliffenen Steinen: Man sieht durch die Tafel hindurch auf den Untergrund. Crushed Ice beschreibt das feinkörnige Funkeln modifizierter Kissen und Radiants, bei dem Einzelblitze kaum noch unterscheidbar sind – Geschmackssache, kein Mangel. Die Hall of Mirrors beim Smaragdschliff ist das gewollte Wechselspiel heller und dunkler Flächen.

Fassung je Schliff

Die Form bestimmt, wie der Stein gefasst werden sollte. Runde Brillanten sitzen in vier oder sechs Krappen oder in einer Zarge. Prinzess-Steine brauchen Krappen über den vier Ecken, Tropfen und Herzen eine Krappe an der Spitze, Marquisen an beiden Spitzen – die Spitzen sind die Stellen, an denen ein Diamant bei einem Schlag absplittern kann. Smaragdschliffe und Asscher werden oft in Zargen oder mit Doppelkrappen an den abgeschrägten Ecken gefasst. Wer den Stein zuerst kauft und die Fassung später wählt, sollte dem Goldschmied den Report mitgeben: Die Masse in Millimetern sind die Grundlage für die Fassung.

Woran Sie einen guten Schliff erkennen

Beim runden Brillanten an der Schliffnote. Bei allen anderen Formen an drei Dingen: Politur und Symmetrie „Excellent" oder „Very Good" auf dem Report, einem Längen-Breiten-Verhältnis im üblichen Bereich der Form, und dem Blick auf den Stein oder ein gutes Foto – wegen Bow-Tie und Fenster. Im Zweifel hilft ein Vergleich zweier Steine nebeneinander mehr als jede Zahl.

Welcher Schliff für wen

Das ist Geschmackssache, und keine der Formen ist „besser". Drei praktische Hinweise: Treppenschliffe verlangen höhere Reinheit. Längliche Schliffe (Oval, Tropfen, Marquise) sollte man wegen des Bow-Tie möglichst am Stein oder auf einem Foto beurteilen. Und bei Formen mit Spitzen (Prinzess, Tropfen, Marquise, Herz) gehört die Fassung mit zur Planung.

Zu jedem Schliff gibt es in unserem Shop eine eigene Übersichtsseite mit allen Steinen dieser Form: Brillant, Oval, Smaragd, Kissen, Prinzess, Tropfen und Marquise.